Äthiopien ist der genetische Ursprung des Arabica, und Kaffee wird seit Jahrhunderten im Hochland des Landes angebaut. Bis heute bilden ursprüngliche Heirloom-Sorten das Rückgrat der Produktion. Die Kaffeegeschichte Kenias ist deutlich jünger. Der Kaffee kam erst Ende des 19. Jahrhunderts nach Kenia, und seither hat sich die Kaffeeproduktion des Landes zu einer eigenen Tradition entwickelt, geprägt von genossenschaftlichen Mühlen, sorgfältiger Verarbeitung und einer kleinen Anzahl ausgewählter Sorten, allen voran SL28.

Für das Abonnement dieses Monats haben wir zwei Kaffees ausgewählt, die unterschiedliche Ausprägungen ostafrikanischen Kaffees zeigen: einen Natural aus dem Hochland von Sidama in Äthiopien und ein gewaschenes Lot von den Hängen des Mount Kenya. Beide werden von Kleinproduzenten angebaut und sind geprägt von der Höhenlage, den Böden, den Sorten und den Menschen ihrer jeweiligen Anbaugebiete. Obwohl die beiden Länder Nachbarn sind, hat jedes seine eigene Tradition in Geschmack, Anbau und Kaffeekultur.

Arbegona

Dieses Lot wird von Kleinproduzenten rund um Shantawene im Bensa-Distrikt in Sidama produziert. Shantawene liegt zwischen dem Dorf Bombe und dem Bombe-Berg, wo Kaffee hauptsächlich von Kleinproduzenten an den steilen Berghängen angebaut wird. Lokal werden diese Produzenten oft als „Garden Farmers“ bezeichnet, da sie Kaffee auf kleinen Flächen rund um ihre Häuser anbauen und Kaffeekirschen von den Bäumen ernten, die auf dem Land wachsen, auf dem sie leben.

Die Kaffeeproduktion in Shantawene ist eng mit dem kleinbäuerlichen Landwirtschaftssystem verbunden, das in weiten Teilen Äthiopiens zu finden ist. Statt großer Plantagen wird der Kaffee auf kleinen Flächen rund um die Häuser der Produzenten angebaut, oft neben anderen Kulturen und unter etablierten Schattenbäumen. Dieses kleinbäuerliche System schafft zusammen mit der Höhenlage und den fruchtbaren Böden von Bensa gute Bedingungen für die sorgfältige Produktion hochwertigen Kaffees.

Dieses Lot besteht aus den äthiopischen Heirloom-Sorten 74110 und 74112. Nach der sorgfältigen Ernte werden die Kaffeekirschen natural verarbeitet und anschließend auf erhöhten Trockenbetten getrocknet, bevor sie sorgfältig sortiert und für das Dry Milling vorbereitet werden.

Die Produzenten, die zu diesem Lot beitragen, sind Mitglieder der Gemeinschaft rund um Shantawene Kebele, wo sowohl Sidaamu als auch Amharisch gesprochen wird. Shantawene liegt in der Nähe des Bombe-Bergs in der hoch gelegenen Landschaft von Bensa.

Kii

Die kleine Region rund um das Dorf Ngariama in Kirinyaga, die von der Kii Factory bedient wird, ist vor allem für den Teeanbau bekannt. Entsprechend sind die meisten Kaffeebestände noch vergleichsweise jung. Die Region genießt einen hervorragenden Ruf für die Qualität ihres Tees und Kaffees. Da hier später mit dem Kaffeeanbau begonnen wurde als in den benachbarten Regionen, sind die Böden von den Auswirkungen jahrzehntelanger konventioneller Landwirtschaft mit Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger weitgehend verschont geblieben. Wir haben die Region bereits mehrfach besucht, zuletzt im Februar dieses Jahres. Vor Ort wird deutlich, wie dicht Kaffee- und Teeplantagen die üppig grüne Landschaft prägen, ermöglicht durch die nährstoffreichen vulkanischen Böden, die bis heute vergleichsweise wenig von intensiver Landwirtschaft beeinflusst wurden. Der Nordosten Kirinyagas bringt einige unserer liebsten kenianischen Kaffees hervor. Die Kii Factory wird von der Rungeto Farmers Cooperative Society betrieben, zu der auch die Stationen Karimikui und Kiangoi gehören, von denen wir in den vergangenen Jahren bereits mehrere Lots bezogen haben.

Dieses Lot von Kii zeigt ein helles Tassenprofil mit Noten von frischen roten Johannisbeeren, getragen von der Fülle von Schwarztee und Melasse.

Rungeto FCS

Die Rungeto Farmers Cooperative Society arbeitet mit sehr hohen Qualitätsstandards. Von der Auswahl der Kaffeekirschen über Fermentation, Sortierung und Trennung der einzelnen Lots wird jeder Verarbeitungsschritt mit großer Sorgfalt ausgeführt: die Grundlage für die hohe Qualität ihrer Kaffees. Die frisch geernteten Kirschen werden unmittelbar nach ihrer Anlieferung mechanisch entpulpt. Da dies möglichst kurz nach der Ernte geschehen sollte, liegen die Factories bewusst in der Nähe der Kleinbauern, die sie beliefern. Nach dem Entpulpen sind die Bohnen noch von einer klebrigen Fruchtschicht, der sogenannten Mucilage, umgeben.

Diese fermentiert 12 bis 24 Stunden in großen Tanks, bis sie sich in den langen Waschkanälen vollständig entfernen lässt. Vor der Trocknung folgt ein weiterer, für Kenia typischer Schritt: Die Bohnen werden erneut in Fermentationstanks gegeben und unter Wasser für weitere 10 bis 12 Stunden fermentiert. Dieses sogenannte Double Soaking trägt nicht nur zu der klaren, intensiven Tassenqualität bei, sondern dient auch als zweite Möglichkeit zur Sortierung. Dabei können Bohnen mit geringerer Dichte entfernt werden, die häufig von unreifen Kirschen stammen oder eine geringere Qualität aufweisen.

Ein Geschmack von Ostafrika

Gemeinsam geben diese Kaffees einen kleinen Einblick in die Vielfalt Ostafrikas. Sie unterscheiden sich in Herkunft, Sorte und Verarbeitung, haben jedoch eine gemeinsame Grundlage: den Kaffeeanbau in großen Höhen und die Arbeit der Kleinproduzenten, die diese charaktervollen Kaffees möglich machen.