Das zeigt sich auch im heutigen Kaffeeanbau in Nariño, in einem Gleichgewicht zwischen Tradition und Moderne. Viele Produzenten kultivieren hier noch ältere Caturra-Bäume; die Kaffeerost-Epidemien, die in weiten Teilen des Landes zur Einführung von Castillo und Colombia geführt haben, haben Nariño weniger stark getroffen. Das liegt unter anderem an den widerstandsfähigen und vielfältigen Anbausystemen, die auf traditionellem landwirtschaftlichem Wissen beruhen.
Die Specialty-Coffee-Welt hat das Potenzial Nariños erst in den letzten Jahren entdeckt: Die hohen Lagen und hochwertigen Varietäten ergeben ausgezeichnete Tassenprofile mit ausgeprägter Säure und Intensität. Wir setzen unsere Entdeckungsreise durch diese faszinierende Region diesen Monat mit zwei Kaffees fort, einem traditionellen und einem eher innovativen.
Alto Naranjal
Leonardo gehört zur Familie Loaiza, die seit Generationen in der Umgebung des Dorfes Medina Orjuela Kaffee anbaut. Auch wenn dieses Lot offiziell auf seinen Namen läuft, bewirtschaftet er die Farm gemeinsam mit seinen Brüdern Eduardo, Miguel und Fernando. Mit zwölf Hektar zählt Alto Naranjal unter den Bedingungen des ländlichen Nariño bereits zu den größeren Betrieben. Anstatt das Land untereinander aufzuteilen, wie in der Region häufig üblich, haben sich die Brüder entschieden, es gemeinsam weiterzuführen. Die Farm ist nach dem nahegelegenen Ort Naranjo benannt; der Name Alto Naranjal verweist darauf, dass sie einst die höchstgelegene Farm der Umgebung war.
Washed Caturra
Auf der Farm wachsen überwiegend Caturra, daneben auch Colombia und Castillo. In den vergangenen Jahren haben die Loaiza-Brüder gemeinsam mit Agronomen von Inconexus daran gearbeitet, den Einsatz chemischer Betriebsmittel zu reduzieren und ihre Anbaumethoden stärker an natürlichen Kreisläufen auszurichten. Im Fokus stehen ein ausgewogenes Schattenmanagement, die Wiederaufforstung einzelner Flächen sowie die sorgfältige Pflege der Bodengesundheit. Dieses Lot vereint die auf der Farm angebauten Varietäten und wurde im gewaschenen Verfahren aufbereitet. Das Ergebnis ist ein Kaffee, der die intensive Süße der Nariño-Kirschen in ein vielschichtiges Geschmacksprofil überträgt: mit hellen Zitrusnoten und einer knackigen Balance zwischen der Säure roter Beeren und der tiefen Süße getrockneter Früchte.
La Mina
Blanca gehört zu einer bekannten Kaffeebauernfamilie der Region. Ihr Vater, Franco Héctor López, erreichte mehrfach das nationale Finale des Cup of Excellence und zählt zu den Persönlichkeiten, die Buesaco auf die Specialty-Coffee-Landkarte gebracht haben. In der Vergangenheit haben wir Kaffee von Blancas Schwester Alba von deren Farm El Mirador sowie von ihrem Neffen Jeison, dem Sohn von Alba, von El Estoraque bezogen. La Mina war zuvor Francos Farm, die Blanca nach seinem Tod im Jahr 2025 übernommen hat. Gemeinsam mit ihrer Familie führt sie das Vermächtnis ihres Vaters im Kaffeeanbau weiter.
Honey Caturra
Dieses Lot stammt von der Varietät Caturra und wurde im Honey-Verfahren aufbereitet. Die Kirschen ruhen zunächst 24 Stunden in geschlossenen Tanks, bevor sie entpulpt werden und eine zweite Fermentation von 36 Stunden in offenen Tanks durchlaufen. Anschließend wird der Kaffee rund 18 Tage lang direkt auf überdachten Hochbeeten getrocknet. Diese sorgfältige Aufbereitung überträgt das Potenzial der intensiv süßen Nariño-Kirschen in ein helles und vielschichtiges Profil mit Noten von tropischer Mango, während die knackige Säure roter Beeren erhalten bleibt, wie wir sie aus vielen hochgelegenen Kaffees aus Nariño kennen.
Wir setzen unsere Entdeckungsreise durch Nariño und vergleichbare Regionen in Kolumbien, Ecuador und Peru fort.
Dort begegnen wir indigenen Gemeinschaften, die ihre Kulturen und Anbaumethoden über Generationen hinweg bewahren und dabei das Beste aus Tradition und Moderne miteinander verbinden. In vielen Fällen entstehen so ausgezeichnete Kaffees, die ihr Herkunftsland, ihre Geschichte und ihre Kultur widerspiegeln, ebenso wie die Menschen, die all dies miteinander verbinden.